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Die Arztpraxis als Kapitalgesellschaft

Veröffentlicht von Jörg Franz, Ing. (grad.) am 10.02.2013
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Die Frage, welche Rechtsform für den Betrieb einer Arztpraxis überhaupt geeignet oder zu bevorzugen ist, wird schon lange diskutiert.

In der Vergangenheit gab es nur einen eng begrenzten Katalog von Gesellschaftsformen für Arztpraxen. Arztpraxen durften nur entweder als Einzelpraxis oder mitunternehmerisch als Gemeinschaftspraxis in der Rechtsform einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts oder einer Partnerschaftsgesellschaft geführt werden. Beide Gesellschaftsformen sind Ausgestaltungen von Personengesellschaften.

Sowohl die Einzelpraxis als auch die Zusammenarbeit mehrerer Ärzte lässt sich wegen der Änderungen im Berufs- und Kassenrecht heute auch in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft, zum Beispiel im Rahmen einer GmbH, organisieren.

Voraussetzung ist, dass auch das Berufsrecht diese spezielle Gesellschaftsform für den Betrieb einer Arztpraxis gestattet. Nicht erlaubt ist diese Organisationsform in Bayern, Bremen, Brandenburg und Schleswig-Holstein.

Die von einem oder mehren Ärzten gegründete Praxis-GmbH darf ambulante ärztliche Leistungen erbringen. Sie tut dies, indem sie Ärzte – zum Beispiel ihre Gesellschafter– anstellt und für sich arbeiten lässt. Gegenüber den Patienten und gegenüber den Kostenträgern steht deshalb immer auch der Arzt als Individuum in der Verantwortung.

Eine bestehende Einzel- oder Gemeinschaftspraxis kann entweder im Zeitpunkt der Gründung oder nach der Gründung der Kapitalgesellschaft in die GmbH eingebracht werden.

Wer eine GmbH gründet, denkt zunächst an die Haftungsbegrenzung. Als eigenständige juristische Person haftet die GmbH selbst für das, was sie und ihre „Erfüllungsgehilfen“tun. Die Gesellschafter sind nur noch Kapitalgeber und haften grundsätzlich nicht persönlich für Verpflichtungen der Gesellschaft.

Dies ist ein großer Vorteil gegenüber der Gesellschaft bürgerlichen Rechts, bei der jeder Gesellschafter auch mit seinem Privatvermögen für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft, der er angehört, haftet. Auch bei der andern für Ärzte relevanten Form
der Personengesellschaft, der Partnerschaftsgesellschaft, wird nur die Haftung für ärztliche Fehlleistungen auf den oder die jeweiligen Leistungserbringer beschränkt.

Ansonsten bleibt es aber bei dem Grundsatz: Jeder haftet für alles – auch mit seinem Privatvermögen. Ist ein Arzt Gesellschafter seiner Praxis-GmbH, kann er deren Geschäftsführer sein. Er kann auch als deren Angestellter oder Mitarbeiter ärztliche Leistungen für Rechnung der GmbH erbringen. Für die selbst erbrachten ärztlichen Leistungen haftet er dann neben der GmbH als Träger der Praxis auch persönlich.

Die Trennung zwischen der GmbH als Träger der Praxis und dem Arzt als Leistungserbringer macht es interessant, eine Praxis über eine GmbH zu organisieren.

Für GmbHs gelten besondere Regeln im Steuerrecht. Die Praxis-GmbH zahlt ihre Steuer selbst. Für sie gelten andere Steuersätze. Sie zahlt nicht Einkommensteuer, sie zahlt Körperschaftsteuer. Dies kann – muss aber nicht – bedeuten, dass Steuern gespart werden. Zusätzlich besteht bei einer Praxis-GmbH die Möglichkeit einer zusätzlichen Altersversorgung für zum Beispiel ihre Gesellschafter-Geschäftsführer. Dies ist nicht zuletzt vor dem Hintergrund der geringer werdenden Absicherung durch staatlich organisierte Versorgungssysteme interessant.

Steuern

Die Einkommensteuer wurde in den letzten Jahren zwar gesenkt, sie ist aber weiterhin höher als die Körperschaftsteuer. Seit 2008 gilt ein neuer Spitzensteuersatz von 45 %. Für hohe zu versteuernde Einkommen droht eine„Reichensteuer“.

Zu beachten ist, dass dann, wenn die Praxis-GmbH ihren Gewinn an ihren Gesellschafter-Arzt ausschüttet, das ausgeschüttete Geld von dem Gesellschafter erneut versteuert werden muss. Seit 2008 gilt dafür ein pauschaler Einkommensteuersatz ohne Progression und Gegenrechnung von Kosten von 25 %.

Außerdem kann eine Praxis-GmbH anders als der niedergelassene Arzt niemals Freiberufler sein. Die GmbH ist immer zusätzlich gewerbesteuerpflichtig.

Altersversorgung

Grundsätzlich ist jeder Arzt Mitglied seines berufsständischen Versorgungswerkes.

Die Beiträge die er dorthin zu entrichten hat, überschreiten häufig den ihm zustehenden Sonderausgabenabzug. Um einen Euro für die Altersversorgung zurückzulegen,müssen also je nach Steuersatz schnell zwei Euro verdient werden.

Jeder GmbH-Geschäftsführer bekommt für seine Tätigkeit eine – hoffentlich – angemessene Vergütung. Teil dieser Vergütung kann auch eine Pensionszusage sein.

Dies ist nichts anderes als das Versprechen der GmbH als Kapitalgesellschaft, bei Erreichen der Altersgrenze, ihrem Geschäftsführer eine Altersversorgung zu zahlen.

Wird eine solche Pensionszusage gegeben, so hat die GmbH Verbindlichkeiten gegenüber ihrem Geschäftsführer. Sie muss ja später einmal die Pensionszusage einlösen.

Um sich hierauf vorzubereiten - und das erforderliche Kapital zurückzulegen - darf die GmbH deshalb Rückstellungen bilden. Diese „Pensionsrückstellungen“ mindern den Gewinn der GmbH und führen dazu, dass die GmbH weniger Steuern zahlen muss.

Der Geschäftsführer muss die Zuflüsse aus der Pensionszusage erst dann versteuern, wenn er tatsächlich die Leistungen erhält. Bei ihm fallen also zunächst keine Steuern an.

Da die Gesellschaft Steuern spart, kann sie auch tatsächlich Geld zurücklegen. Sie

kann mit diesem Geld arbeiten und somit später für die erforderliche Deckung sorgen,um tatsächlich die Verpflichtung einlösen zu können.

Mitunternehmerschaft und Körperschaft

Für die unterschiedlichen Organisationsformen: Einzelpraxis, Berufsausübungsgemeinschaft(Gemeinschaftspraxis) oder Kapitalgesellschaft (Praxis-GmbH) gelten unterschiedliche Methoden der Besteuerung.


- Der niedergelassene Arzt zahlt für seinen Gewinn Einkommensteuer.

- Der Gesellschafter einer Berufsausübungsgemeinschaft zahlt für seinen Anteil

   am Gewinn oder Verlust Einkommensteuer.

- Der Arzt als Gesellschafter-Geschäftsführer seiner Praxis-GmbH zahlt auf

   sein Gehalt Einkommensteuer (Lohnsteuer). Auf die Gewinnausschüttung seiner

   Praxis-GmbH zahlt er Einkommensteuer mit einem pauschalen Steuersatz.

   Außerdem muss die Praxis-GmbH selbst Steuern zahlen und zwar die

   günstige Körperschaftsteuer und die Gewerbesteuer. Die zu zahlende

   Gewerbesteuer ist von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich hoch.

   Die unterschiedlichen Gesamtbelastungen können miteinander verglichen werden,

   um Vor- und Nachteile der Praxis-GmbH abzuwägen.

Erhalten die Gesellschafter-Geschäftsführer zusätzlich eine angemessene Pensionszusage, führt dies bei der Praxis-GmbH zu einer weiteren Steuersenkung. Schüttet die Praxis-GmbH Teile ihres Gewinns an die Gesellschafter aus, fallen zusätzliche Steuern an. Die vollständigen Auswirkungen müssen im Einzelfall berechnet werden.

Zuletzt geändert am: 27.02.2013 um 09:24

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